Anton Wilhelm Amos Grab / Anton Wilhelm Amo’s Grave

*** English version below ***

Shama.  

Shama

Es ist Nachmittag. Ich steig in ein share-Taxi. Eine junge Frau mit Kind sitzt neben mir, fragt mich wo ich hinmöchte. Ich sage ihr: zum Grab von Amo. „Wer ist Amo?“ Ja, also da bei der Burg bei San Sebastian. „Ah, ok, möchtest du dir das angucken?“ Ich sage zu ihr: ja. Wir fahren, ein älterer Herr sitzt vorne. Er sagt: „Ach, sie möchte zu dieser Burg, zu diesem Castle“. Der Driver sagt ja. Die junge Frau sagt mir: „Weißt du was, der ältere Herr muss eh in die Richtung, der zeigt dir dort alles.“ Ich bedanke mich. Es dauert eine Weile, dann kommen wir an.  

Ich sehe vor mir eine weiße Burg. Daneben das Grab Amos. Ich schaue um mich, sehe Menschen, die ihrem Alltag nachgehen: Kinder, die auf der Straße spielen, Leute, die ihr Essen erkaufen. Ich bin verwundert. An der Burg laufe ich vorbei, sehe plötzlich das Grab, das ich schon kenne – aus dem Film von John Kantara. Langsam gehe ich näher. Der ältere Mann fragt: „Ist dies das Grab, das du dir ansehen wolltest?“ Ich sage ja.  

Er fragt: „Und wer ist das?“ Ich sage: Anton Wilhelm Amo – weißt du nicht, wer das ist? „Ach weißt du junge Frau, hier sind viele Menschen begraben.. Aber der hier ist wohl aus den „ancient days“ oder?“ Ja sage ich. Und er hat eine sehr wichtige Bedeutung. „Also hier kommen immer so weiße Leute hin, die malen dann das Castle wieder weiß an, aber um das Grab kümmert sich keiner. Das muss eine wichtige Person gewesen sein, oder?“ Ja sage ich, auf jeden Fall.  „Da müsste sich eigentlich jemand um das Grab kümmern, oder?“ Ja. Er sagt: „Aber hier sind so viele Gräber, so viele Gräber. Weißt du junge Frau, ich wurde hier geboren. Hier sind so viele Menschen begraben.“  

Ich schaue mir das Grab genauer an, gehe dann ans Meer und frage mich: Meer, voller Bewunderung stehe ich vor dir, Meer, ich kann nicht mehr. Zu wissen, dass hier Blut war, dass du das Blut weggetrieben hast. Du sorgst für uns. Du sorgst für uns, du beruhigst uns. Du bist für uns da. Meer… geht noch mehr?  

Ich kehre um, nehme das nächste Taxi und fahre zurück nach Takoradi. Auf der Fahrt mache ich mir Gedanken, was es mit mir macht zu wissen: Da ist diese Burg San Sebastian – und dann ist da dieses Grab, verwahrlost, und dann gibt es noch das Meer.  

Irgendwie kriege ich es nicht zusammen. Black Lives Matters. Black Lives really matters? Matters Matters? Ich meine, da ist einmal diese Burg, da ist einmal das Grab. Burg, Grab, Menschen – ich kann nicht.

Ich muss jetzt den Stift fallen lassen und das jetzt erstmal auf mich wirken lassen. Es ist viel. Es ist viel zu verarbeiten, viel zu tragen.  

Ich erinner mich. Berlin, Erinnerungsort. Straße. N*-Straße? M*-Straße. Nun Anton Wilhelm Amo Straße. Und was passiert hier? Warum gibt es keine Zusammenführung? Ich verstehe es nicht. Ich krieg es nicht zusammen. Ich kann nicht mehr. Meer. Und ich lausche dem Meer und fahre weiter und fahre weiter und fahre weiter.  

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Anton Wilhelm Amo’s Grave

Shama.

Shama

It is afternoon. I get into a share cab. A young woman with a child sits next to me and asks me where I want to go. I tell her: to Amo’s grave. „Who is Amo?“ Yes, so there at the castle near San Sebastian. „Ah, ok, do you want to go see it?“ I say to her: yes. We drive, an older gentleman sits in front. He says: „Ah, she wants to go to this castle, to this castle„. The driver says yes. The young woman tells me, „You know what, the older gentleman has to go that way anyway, he’ll show you around there.“ I thank her. It takes a while, then we arrive.

I see a white castle in front of me. Next to it is Amos Grave. I look around me, see people going about their daily lives: Children playing in the street, people buying their food. I am amazed. Walking past the castle, I suddenly see the grave I already know – from the film by John Kantara. Slowly I walk closer. The older man asks, „Is this the grave you wanted to see?“ I say yes.

He asks, „And who is that?“ I say: Anton Wilhelm Amo – don’t you know who that is? „Oh you know young lady, there are many people buried here…. But this one is probably from the „ancient days“ right?“ Yes I say. And it has a very significant meaning. „Well, white people always come here, they paint the castle white again, but nobody cares about the grave. That must have been an important person, right?“ Yes I say, definitely. „Somebody would have to take care of the grave, wouldn’t they?“ Yes. He says, „But there are so many graves here, so many graves. You know young lady, I was born here. There are so many people buried here.“

I look more closely at the grave, then go to the sea and ask myself: Sea, full of admiration I stand before you, sea, I can no longer. Knowing that there was blood here, that you drove the blood away. You take care of us. You care for us, you reassure us. You are there for us. Sea… is there more?

I turn around, take the next cab and drive back to Takoradi. On the way, I think about what it does to me to know: There is this castle San Sebastian – and then there is this grave, neglected, people and then there is the sea.

Somehow I can’t get it together. Black Lives Matters. Black Lives really matters? Matters Matters? I mean, on the one hand there’s this castle, and then again there’s the grave. Castle, grave, people – I can’t.

I have to drop the pen now and let this sink in. It’s a lot. It’s a lot to process, a lot to carry.

I remember. Berlin, place of remembrance. Street. N* Street? M* Street. Now Anton Wilhelm Amo Street. And what happens here? Why is there no merge? I don’t understand it. I can’t get it together. I can’t anymore. Sea. And I listen to the sea and go on and go on and go on.

1 Comment

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s